Oberbank-Chef blickt optimistischer auf Konjunktur als Ökonomen / Stimmung bei wichtigen Firmenkunden hellt sich auf - Deutlich mehr Neugeschäft bei Wohnbaufinanzierung - Nettogewinn sank leicht, Dividende wird auf 1,15 Euro je Aktie erhöht
--------------------------------------------------------------------- AKTUALISIERUNGS-HINWEIS Neu: Weitere Details, Aussagen Gasselsberger nach der Pressekonferenz ---------------------------------------------------------------------
Oberbank-Chef Franz Gasselsberger blickt deutlich optimistischer in die Zukunft als die Wirtschaftsforscher. Während letztere frühstens im zweiten Halbjahr wieder einen leichten Aufschwung für die Konjunktur in Österreich sehen, sieht die Oberbank bei ihren Kunden bereits jetzt klare Anzeichen einer verbesserten Stimmung. Auch für die Oberbank-Ergebnisse 2025 ist Gasselsberger zuversichtlich.
"Ich orientiere mich nicht an Wirtschaftsforschung. Ich frage meine wichtigsten Kunden", so Gasselsberger am Mittwoch bei der Vorstellung der Jahresergebnisse. Er versuche die "Reizüberflutung an negativen Nachrichten" weitgehend zu ignorieren und sich ein eigenes Bild zu machen, so der Bankchef im Hinblick auf die jüngsten Konjunkturprognosen und die Aufregung um das hohe Budgetdefizit. 50 Prozent mehr Neugeschäft bei der Wohnbaufinanzierung im ersten Quartal 2025 und ein deutlich wachsendes Firmenkundengeschäft bei der Oberbank könne man "nicht einfach wegdrücken".
Dass das Budgetdefizit in Österreich jedoch so stark von der Prognose abweichen konnte, habe ihn "wirklich erschüttert". Das zeige auch, wie die politischen Verantwortlichen "mit Verantwortung und mit Wahrheit umgehen", ärgerte sich der Bankchef. Positive Worte fand Gasselsberger dagegen für den neuen Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ). Auch wenn er mit Marterbauer ideologisch nicht auf einer Seite stehe, verstehe dieser sein Handwerk.
Oberbank-Kunden blicken optimistischer in die Zukunft
Die Erwartungshaltung bei den Oberbank-Kunden zum Umsatz und Ergebnis habe sich jedenfalls aufgehellt und auch die Stimmung in der Bauwirtschaft habe sich deutlich verbessert. Im produzierenden Gewerbe sieht Gasselsberger zudem "die Talsohle durchschritten". Bereits im Vorjahr war der zunehmende Optimismus im Firmenkundengeschäft sichtbar: Das Kommerzkreditvolumen stieg 2024 um 5,2 Prozent auf 17,1 Mrd. Euro, das größte Wachstum kam dabei aus dem Kernmarkt Oberösterreich und Salzburg.
Dazu beigetragen haben auch die gesunkenen Zinsen, die die Investitionsneigung bei Unternehmen wieder erhöht haben. Die Oberbank geht davon aus, dass sich dieser Trend auch heuer fortsetzt, da weitere Zinssenkungen seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) zu erwarten sind. Positive Impulse könnten außerdem vom deutschen Infrastrukturpaket kommen sowie von einem Ende des Ukraine-Kriegs. Die Hoffnung darauf verfestige sich derzeit. Die erratische Trump-Regierung in den USA sorge dagegen für hohe Volatilität, könnte jedoch Deregulierungstendenzen auch in Europa fördern.
2024 schrieb Oberbank stabilen Gewinn
Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr lief es für die Oberbank rund. 2024 stieg das Zinsergebnis um 10 Prozent auf 656,3 Mio. Euro, das Provisionsgeschäft um 5,0 Prozent auf 205,9 Mio. Euro. Das Kreditvolumen wurde im Vergleich zum Vorjahr um 694,7 Mio. Euro bzw. 3,5 Prozent auf 20,8 Mrd. Euro gesteigert. Das Nettoergebnis nach Steuern blieb mit 378,8 Mio. Euro (minus 1,0 Prozent) weitgehend stabil. Belastend wirkte ein schwächeres At-Equity-Beteiligungsergebnis, dieses sank um rund ein Drittel (minus 34,6 Prozent) auf 82,0 Mio. Euro ab. Grund waren laut Gasselsberger positive Sondereffekte 2023, die 2024 nicht mehr schlagend wurden. Im At-Equity-Ergebnis ist vor allem die Beteiligung der Oberbank an der voestalpine enthalten.
Die Risikovorsorgen wurden um 17,8 Prozent reduziert, die Quote notleidender Kredite (non-performing loans/NPL) lag stabil bei 3,56 Prozent (2023: 3,55 Prozent). Zufrieden zeigte sich der Bankchef auch mit der Kapitalausstattung. Die Kernkapitalquote stieg 2024 von 18,88 Prozent auf 19,52 Prozent.
Die Bankenabgabe habe im Vorjahr 4 Mio. Euro ausgemacht, für das heurige Jahr rechnet Gasselsberger mit einem Aufwand von etwa 14 Mio. Euro, nachdem die neue Regierung eine Erhöhung der Abgabe beschlossen hat. Seine ablehnende Haltung gegenüber der Abgabe tat der Bank-CEO bereits zu Jahresbeginn kund, der "größte Tiefschlag" zu dem Thema sei für ihn jedoch gewesen, dass Nationalbank-Gouverneur Robert Holzmann für die Einführung Verständnis gezeigt habe. "Das hat mich enttäuscht", sagte Gasselsberger am Mittwoch.
Wachstum auch in kommenden Jahren geplant
In den kommenden Jahren will die Bank ihren Wachstumskurs fortsetzen. Bis 2030 strebt sie ein jährliches Kreditwachstum von durchschnittlich 5,5 Prozent und ein Einlagenwachstum von 4,5 Prozent an. Die Kostenquote (Cost-Income-Ratio/CIR) soll zwischen 40 und 44 Prozent liegen (2024: 42,47 Prozent). Wachsen will die Bank vor allem in Deutschland. Derzeit sei man dort in 10 Bundesländern mit knapp 50 Filialen vertreten, der Ausbau soll fortgesetzt werden.
Auch die Aktionäre sollen profitieren. Die Oberbank peilt steigende Dividenden an und will mittelfristig auf eine Auszahlung in Richtung 2 Euro kommen. Für das Geschäftsjahr 2024 wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende von 1,0 auf 1,15 Euro je Aktie vorschlagen.
bel/ivn/cri
ISIN AT0000625108 WEB http://www.oberbank.at
Relevante Links: Oberbank AG