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OMV - Beteiligungen nagen am Eigenkapital

Der Nettoverlust der OMV im vierten Quartal 2008 fiel mit -208 Mio. Euro zwar höher als erwartet aus (der Konsensus lag bei -104 Mio. Euro), am Markt werden die Zahlen in einer ersten Reaktion angesichts eines Kursgewinns von bis zu 5% im Tagesverlauf aber gut aufgenommen.

Das dürfte daran liegen, dass die Anleger ihr Augenmerk auf die - um Sondereffekte - bereinigten Ergebnisse legen. Demnach lag das EBIT vor Sondereffekten im vierten Quartal bei rund 300 Mio. Euro (nach 928 Mio. Euro im Q3 und 688 Mio. Euro im Q4 2007). Würde man die hohen Lagerabwertungen infolge des gesunkenen Ölpreises im Ausmass von 484 Mio. Euro ebenfalls als Sondereffekt ansehen, wie es manche Analysten tun, dann hätte die OMV das bereinigte EBIT im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar steigern können.

Die Höhe der Lagerabwertungen kommt für einige Analysten überraschend, ebenso wie die Ankündigung des Ölkonzerns, die Dividende von 1,25 Euro im Vorjahr auf 1 Euro zu senken. Hier waren viele Marktteilnehmer unverändert von 1,25 Euro ausgegangen, wohl auch deshalb, weil CEO Ruttenstorfer zuletzt Mitte Dezember gemeint hat, die OMV werde ihre Dividende im Vergleich zu 2007 "nicht erhöhen".

Mit Blick auf die Bilanz des Ölkonzerns zeigt sich, dass das Net Gearing auf 37% deutlich angestiegen ist. So hat sich das Eigenkapital des Ölkonzerns im Jahresvergleich um 9% oder insgesamt rund 1,4 Mrd. Euro verringert. Das ist, so die OMV, hauptsächlich auf die Wertminderung der Beteiligung an der ungarischen MOL zurückzuführen, sowie auf erhebliche Währungsverluste aus der Umrechnung ausländischer Töchter (rumänischer Leu und türkische Lira). Die Eigenkapitalquote sank derart von 49% auf 44%.

Sowohl MOL, an der die OMV rund 20% hält, als auch die türkische Petrol Ofisi, an der die Österreicher mit mehr als 40% beteiligt sind, haben im Vorjahr stark an Wert eingebüsst. OMV-CFO David Davies kündigt an, dass das Net Gearing 2009 weiter über der 30%-Quote liegen wird, das langfristige Ziel lautet auf 30%.

"Diese massive Abschreibung im Eigenkapital ist gewiss nicht positiv für das Sentiment der Investoren, aber schlussendlich nur die Konsequenz schlechter Investmententscheidungen der Vergangenheit, die sich hoffentlich nicht wiederholen", heisst es in einem ersten Kommentar von UniCredit-Analyst Robert Rethy zu den OMV-Zahlen. Er sieht allerdings keinen Grund, an der Kaufempfehlung für die Aktie zu rütteln. Die UBS wiederum bestätigt die "Neutral"-Einstufung mit Kursziel 20 Euro.

CEO Wolfgang Ruttenstorfer sieht den Konzern dank einer konservativen Finanzpolitik auch für ein "signifikant herausfordernderes Umfeld" gerüstet. Der Ölpreis, der im Vorjahr von einem Rekordhoch bei 144 Dollar je Barrel im Juli auf rund 40 Dollar Anfang 2009 gesunken ist, sollte sich im ersten Halbjahr auf dem Niveau von Jahresbeginn stabilisieren, erwartet der Ölmanager. Für das zweite Halbjahr geht die OMV von leicht steigenden Rohölpreisen aus.

Die geplanten Investitionen werden analysiert und gereiht, um sie auf ein Niveau zu kürzen, welches das aktuelle herausfordernde Umfeld widerspiegelt. Laut Ruttenstorfer können die Investitionen derart auf zwei Mrd. Euro oder weniger sinken.

Die OMV weist weiterhin eine hohe Abhängigkeit zum Ölpreis auf. Rund 40% des Exposures für 2009 ist allerdings auf attraktivem Niveau abgesichert. (bs)


Aus dem Börse Express vom 25. Februar 2009

Relevante Links: OMV AG