, boerse-express

CEE-Banken: Schwache Währungen, schwache Quartalszahlen

Angesichts der anstehenden bzw. teilweise bereits angelaufenen Berichtssaison von CEE-Banken für das vierte Quartal 2008 haben die Analysten der RCB ihre Schätzungen und Kursziele für ebendiese Institute überarbeitet. Dabei setzt es zahlreiche tiefere Kursziele, auch für die Erste Group (von 22 auf 16 Euro) und die ungarische OTP Bank (von 4240 auf 3960 Forint). Die Aktie von Raiffeisen International wird von der RCB nicht gecovert.

Die CEE-Währungen haben gegenüber dem Euro im Schlussquartal teils stark nachgegeben, die ukrainische Hryvnia um 50%, der polnische Zloty um 22%, der ungarische Forint um 10% und der rumänische RON um 8%. Bei Banken mit ausländischen Töchtern in diesen Staaten, etwa Erste oder OTP, werde sich der Umrechnungseffekt in der Erfolgsrechnung negativ bemerkbar machen. Neben einem deutlichen Anstieg der notleidenden Kredite und in weiterer Folge der Risikokosten dürften auch Firmenwertabschreibungen (Goodwill Impairment) ein Thema werden.

Die Analysten der RCB sehen die grösste Wahrscheinlichkeit für eine derartige Abschreibung die Erste Group und die ungarische OTP Bank. Letztere hat Raiffeisen International im Jahr 2006 die damalige Ukraine-Tochter um wohlfeile 650 Mio. Euro abgekauft.

Für die Erste Group setzen die RCB-Analysten daher in ihren Berechnungen ein Goodwill Impairment im Ausmass von 400 Mio. Euro an. Das würde in etwa 20% des gesamten Firmenwerts, den die Erste für die rumänische BCR aktiviert hat, entsprechen und einen Teil der Gewinne aus dem Verkauf der Versicherungstöchter aufbrauchen.

Das Quartalsergebnis der Erste Group könnte derart mit -435 Mio. Euro (Nettogewinn nach Minderheiten) ins Minus rutschen, schätzen die Analysten. Aber selbst ohne grosses Goodwill Impairment werde der Plan der Bank, ein "zumindest positives Q4" vorlegen zu wollen, wohl kaum halten, vermuten sie. Abseits der Erfolgsrechnung veranschlagen die Analysten zudem einen negativen Effekt aus der Währungsumrechnung, der mit 880 Mio. Euro zu Buche schlagen sollte und gegen das Eigenkapital gerechnet wird. Die Dividende sollte bei um die 0,55 Euro zu liegen kommen (nach 0,75 Euro für 2007), so die Erwartung.

Das aktuelle Kursniveau der Erste Group Aktie spiegle Spekulationen wider, wonach die Bank nach Inanspruchnahme staatlicher Unterstützung noch zusätzliches Kapital benötigen könnte, heisst es. Aber selbst in einem Szenario, das Zinszahlungen für die im Raum stehenden 2,7 Mrd. Euro staatliches Kapital im Ausmass von 9,5% sowie eine weitere Verwässerung von 25% durch zusätzliche Kapitalspritzen vorsieht, ergebe sich kein Fair Value von unter 15 Euro je Aktie.

Vor Bekanntgabe der Zahlen sollten Anleger eher noch die Fingervon Banktiteln, wie Erste Group, OTP, BZ WBK oder Komercni Banka lassen, so die Analysten. Die Kaufempfehlung für Erste Group wird aber bestätigt. (bs)

Aus dem Börse Express vom 10. Februar 2009

Relevante Links: Erste Group Bank AG