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Nicolas Kneip - vom Flughafen Wien, dem Fraport und: „My dream is to fly...

Seit dem ersten bemannten Motorflug der Gebrüder Wright 1903 (manche sind überzeugt der Deutsche Gustav Weißkopf kam ihnen zuvor) hat sich bereits einiges getan in der Luftfahrt. Mittlerweile kann sich nahezu jeder „Normalsterbliche“ einen Flug leisten und somit in ungeahnte Höhen aufsteigen. Und welche Gebäude sind in der modernen Luftfahrt essenziell und unersetzlich? Genau, natürlich Flughäfen! Hektisches Gewusel, unfreundliche Security Check-Mitarbeiter, ein wahrer Ort der Erholung so ein Flughafen. Doch waren diese Immobilien zu Beginn noch reine Zweckgebäude (Abflug, Ankunft), so haben sie sich in der Zwischenzeit zu richtigen großen Entertainment- und Gastronomietempeln, sowie Gelddruckmaschinen für die Betreiber entwickelt. Die Performance der börsennotierten Flughäfen ist zweifelsohne beeindruckend, mit teilweise herausragenden Wachstumsraten. Wenn man die Umsätze der Flughäfen näher betrachtet, so setzen sie sich aus mehreren Komponenten zusammen. Diese umfassen unter anderem Landeentgelte, Fluggastgebühren, Infrastrukturentgelte, Handling & Sicherheitsdienstleistungen sowie die Vermietung von Flächen beispielsweise an Gastronomiebetriebe (inkl. Gewinnbeteiligung). Und auch das kleine beschauliche Österreich hat mit der Flughafen Wien AG eine dieser börsennotierten Mehrzweckhallen zu bieten. Die aktuelle Situation des Unternehmens lässt sich wohl am besten mit dem wienerischen „Ois leiwand“ beschreiben. Das sich zu jeweils 20% im Besitz der Stadt Wien und des Landes Niederösterreich befindliche Unternehmen (nur rund 10% free float) berichtet ein ums andere Mal starke Zahlen und davon konnte auch der Aktienkurs stark profitieren. In den letzten 5 Jahren konnte die Aktie um rund 206% inklusive ausgeschütteter Dividenden zulegen und sich damit mehr als verdreifachen (seit 2012 sogar nahezu verfünffachen). In Schwechat kann man sich derzeit mitnichten über schwache Passagierzahlen beklagen. Im September wurde per Presseaussendung bekanntgegeben, dass das Passagierwachstum noch schneller als bisher erwartet voranschreitet und die Guidance für 2018 für die gesamte Gruppe (+8% ggü. dem Vorjahr) deutlich übertroffen werden könnte. Durchaus positiv zu bewerten ist auch der Umstand, dass einige neue Airlines den Weg nach Wien gefunden haben, u.a. Laudamotion (Niki Nationale die Dritte), die ungarische Wizz Air und die spanische IAG-Tochter Level. Dies zeigt zum einen das große Interesse internationaler Airlines am Standort Wien und verringert zum anderen die nach wie vor hohe Abhängigkeit von der Lufthansa-Gruppe. Das größte Projekt des Flughafen Wiens, das sowohl in der Politik, als auch in den Medien für viel Gesprächsstoff sorgt, ist die geplante 3. Piste. Nach einem hin und her zwischen dem Bundesverwaltungsgericht (BVwG) und dem VfGh, wurde das Projekt laut aktuellem Stand vom BVwG genehmigt, wobei die Höchstgerichte dieses Urteil noch kippen könnten.Aus europäischer Sicht sind die anderen großen an der Börse gelisteten Flughäfen Paris, Frankfurt und Zürich. Performancetechnisch konnte in den letzten 5 Jahren niemand der eben genannten mit dem Flughafen Wien mithalten, noch am ehesten die Pariser Flughäfen (Paris: +169%; Zürich +144%; Frankfurt: +48%). Der Frankfurter Flughafen (Fraport) hatte insbesondere in der letzten Zeit mit verschiedenen Problemen zu kämpfen. Einerseits wendet sich Lufthansa, der wichtigste Partner der Frankfurter, verstärkt dem Flughafen München zu, andererseits stößt der Flughafen derzeit an seine Kapazitätsgrenzen bezüglich der Passagieranzahl. Diese Entwicklungen führten zu einem YTD-Aktienverlust von 21,4%. Die Pariser Flughäfen (Charles de Gaulle, Orly, Le Bourget) sind derzeit in den Schlagzeilen, da die französische Regierung beschlossen hat ihre Anteile von 50,6% am Unternehmen zu veräußern und Aeroports de Paris somit zu privatisieren. Die Aktie weist insbesondere seit 2017 ein enormes Wachstum von rund 92% (45% p.a.) auf. Dieses Wachstum lässt sich auf signifikante Ergebnisverbesserungen, sowie ein stark ansteigendes Passagieraufkommen zurückzuführen. In der Schweiz kann man sich über eine ähnlich gute Geschäftsentwicklung wie bei der europäischen Konkurrenz freuen. Der Zürcher Flughafen konnte sowohl die Flugbewegungen, als auch die Passagierzahlen in den letzten Jahren kontinuierlich steigern.

Um die Performance der Flughäfen in ein Verhältnis zur Branche setzen zu können haben wir den MSCI Europe Transportation gewählt, der 16 Einzeltitel aus der Transportindustrie umfasst. Auf 5-Jahresbasis beträgt die Performance 59%, womit diese deutlich gegenüber jener der Flughäfen hinterher hinkt. Seit Jahresbeginn war die Entwicklung, ähnlich wie beim Flughafen Frankfurt, mit -14% nicht sehr erfreulich. Es bleibt wohl herauszustreichen, dass keine andere Transportindustrie (Land, Wasser) vergleichbare Wachstumsraten zu jenen der Flugindustrie aufweist. Kaum ist davon auszugehen, dass sich die Passagierzahlen in Zukunft verringern werden. Ganz im Gegenteil: laut Prognosen des Dachverband der Fluggesellschaften (IATA) soll die Anzahl der Flugpassagiere weltweit bis 2036 von aktuell 4,1 auf 7,8 Mrd. ansteigen. Schenkt man diesen Prognosen Glauben, dann dürften den Flughafenbetreibern auch in Zukunft keine schlechten Zeiten bevorstehen. Möglicherweise findet bis dahin sogar Yves Larock heraus wie man ein Flugticket kauft und kann sich seinen sehnlichsten Traum doch noch erfüllen! 

Relevante Links: Flughafen Wien AG, Fraport AG