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China Turbulenzen: 5 Billionen Dollar weg - alles nur ein Ausrutscher?
V erzweiflung und Euphorie gehen am chinesischen Aktienmarkt weiter Hand in Hand. Trotz schlechten Außenhandelsdaten (siehe hier: http://bit.ly/1itOGty), schloß die chinesische Börse am Dienstag deutlich im Plus. Der Shanghai Composite Index, der noch am Montag ein Minus von 2,52% zu verzeichnen hatte, zog am Dienstag um 2,92% nach oben. Trotz der heftigen Kursturbulenzen im heurigen Jahr hat der Index seit Ende 2013 derzeit ein Plus von rund 50% vorzuweisen.
Die aktuelle Konjunkturabkühlung und der Markteinbruch in China beschwören bei vielen Beobachtern Erinnerungen an Japans Abschwung in den 1990er Jahren herauf, als die damals zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in eine langwierige Stagnation abrutschte.
Beide Volkswirtschaften erlebten ein rapides, kreditfinanziertes Wachstum, das die Immobilienpreise anziehen ließ und zu Blasen am Aktienmarkt führte. Der rasante Anstieg in Japan endete mit einer harten Landung, von der sich das Land noch immer nicht ganz erholt hat. Nun lautet die These, China könne ein ähnliches Schicksal erleiden.
Die Erfahrung des Nachbarlands in den 1960er Jahren würde allerdings viel passendere Parallelen aufweisen, meint etwa Paul Sheard, Chefökonom der Ratingagentur Standard & Poor’s in New York, der von 1976 bis 2006 in Japan gearbeitet hatte.
Ein gutes Ende? Die Geschichte weist eine Reihe von Übereinstimmungen auf und verheißt ein letztlich gutes Ende für Chinas Aktien und Wirtschaft - doch nicht ohne Geduld und kontinuierliche Bemühungen der Politikverantwortlichen. Hier die Ereignisse in Japan von damals: Die japanische Wirtschaft lief im Vorfeld der Olympischen Spiele in Tokio von 1964 auf Hochtouren. Im Zuge eines Baubooms wurden neue Autobahnen und Strecken für Hochgeschwindigkeitszüge geschaffen und Fabriken aufgebaut. Der Aktienmarkt erlebte eine Achterbahnfahrt, als sich nach der Boom-Phase das Wachstum abkühlte, und ging völlig in die Knie, als die Politik am Kreditmarkt die Zügel anzog. Nach einem enormen Ausverkauf im Jahr 1963 griffen die Verantwortlichen ein. 1964 und 1965 wurden zwei Gesellschaften zur Marktstützung gegründet, zeigen Daten der japanischen Zentralbank Bank of Japan (BoJ). Geschäftsbanken halfen bei der Finanzierung der ersten Gesellschaft, die 193,6 Mrd. Yen (~1,5 Mrd. Euro) in Aktien investierte - und als das Geld ausging, sprang die Notenbank ein. Die zweite Gesellschaft kaufte weitere 234,9 Mrd. Yen, wobei 95 Prozent der Kosten von der BoJ geschultert wurden. Die Interventionen beliefen sich auf etwa sechs Prozent des Marktvolumens, heißt es in einer Analyse, die in einer Studie des National Bureau of Economic Research zitiert wird. Die Eingriffe zahlten sich letztlich aus: Die Aktienkurse zogen erneut an und die wirtschaftliche Entwicklung schritt wieder schnell voran. „Es erwies sich als ein ausgezeichneter Schritt, weil damit eine finanzielle Depression vermieden wurde“, sagt Hiroshi Takeuchi, ein 84-jähriger Wirtschaftsprofessor an der Shizuoka-Universität in Zentraljapan. „Sobald sich die Dinge beruhigt hatten, konnte eine neue Welle wirtschaftlichen Wachstums beginnen.“ Dieser Strategie dürfte China nacheifern wollen. Nachdem die Aktien in Schanghai in diesem Jahr bis zum 12. Juni um etwa 150 Prozent hochgeschossen waren, kam es zu einem Einbruch, der etwa 5 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung vernichtet hat. Die Marktverwerfungen zwangen die Regierung zum Gegensteuern: sie untersagte unter anderem größeren Aktionären der Verkauf von Beteiligungen, setzte Börsengänge aus und forderte Brokerhäuser dazu auf, den Markt mit Rückhalt der Zentralbank zu stützen. Japan hatte damals mehrere solcher Schritte unternommen. Zuletzt hieß es am Dienstag, dass Chinas Börsen künftig bei zu starken Schwankungen den Handel aussetzen werden (siehe hier: http://bit.ly/1QlyJB6). Steigt oder sinkt der Index CSI 300, der 300 große Unternehmen umfasst, um fünf Prozent, wird der Aktienhandel für 30 Minuten unterbrochen. Chinas Entscheidungsträger haben in den letzten Tagen auch gesagt, die Turbulenzen am Aktienmarkt seien ihrer Einschätzung nach vorüber und die staatlichen Interventionen hätten funktioniert. Bis jetzt pulverte die chinesische Regierung rund 211 Milliarden Euro in Stützungskäufe am Aktienmarkt siehe hier: http://bit.ly/1KBzFm0). Wie auch Japan vor fünf Jahrzehnten, befindet sich China noch immer in einer mittleren Phase der Konjunkturentwicklung. Das bedeutet, dass die Wirtschaft weiterhin über einen beträchtlichen Spielraum für Wachstum verfügt. „Die Parallelen zu den 1960er Jahren sind aussagekräftiger“, sagt auch David Mann, Chefökonom für Asien bei Standard Chartered Plc in Singapur. „Davon ausgehend, dass China heute nur über ein Fünftel des Kapitalstocks je Beschäftigten von derzeit den USA oder Japan verfügt, zeigt uns, dass noch eine Menge mehr effiziente und produktive Investitionen in China unternommen werden können.“ Damit enden jedoch die Vergleiche. Im Gegensatz zu Japan in den 1960er Jahren steht China auch vor dem Problem einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung. Außerdem ist Chinas Wirtschaft offener als Japans früher, was die Volksrepublik gegenüber Kapitalabflüssen anfälliger macht, die nun die Wechselkurspolitik komplizierter machen. Dennoch: wie Japan in den 1960ern erfährt auch China eine rasche Modernisierung der industriellen Infrastruktur, erklärt Frederic Neumann, Co-Chef für Asien-Analyse bei HSBC Holdings in Hongkong. Zudem wachse die globale Bedeutung der chinesischen Kapitalmärkte.
Ein gutes Ende? Die Geschichte weist eine Reihe von Übereinstimmungen auf und verheißt ein letztlich gutes Ende für Chinas Aktien und Wirtschaft - doch nicht ohne Geduld und kontinuierliche Bemühungen der Politikverantwortlichen. Hier die Ereignisse in Japan von damals: Die japanische Wirtschaft lief im Vorfeld der Olympischen Spiele in Tokio von 1964 auf Hochtouren. Im Zuge eines Baubooms wurden neue Autobahnen und Strecken für Hochgeschwindigkeitszüge geschaffen und Fabriken aufgebaut. Der Aktienmarkt erlebte eine Achterbahnfahrt, als sich nach der Boom-Phase das Wachstum abkühlte, und ging völlig in die Knie, als die Politik am Kreditmarkt die Zügel anzog. Nach einem enormen Ausverkauf im Jahr 1963 griffen die Verantwortlichen ein. 1964 und 1965 wurden zwei Gesellschaften zur Marktstützung gegründet, zeigen Daten der japanischen Zentralbank Bank of Japan (BoJ). Geschäftsbanken halfen bei der Finanzierung der ersten Gesellschaft, die 193,6 Mrd. Yen (~1,5 Mrd. Euro) in Aktien investierte - und als das Geld ausging, sprang die Notenbank ein. Die zweite Gesellschaft kaufte weitere 234,9 Mrd. Yen, wobei 95 Prozent der Kosten von der BoJ geschultert wurden. Die Interventionen beliefen sich auf etwa sechs Prozent des Marktvolumens, heißt es in einer Analyse, die in einer Studie des National Bureau of Economic Research zitiert wird. Die Eingriffe zahlten sich letztlich aus: Die Aktienkurse zogen erneut an und die wirtschaftliche Entwicklung schritt wieder schnell voran. „Es erwies sich als ein ausgezeichneter Schritt, weil damit eine finanzielle Depression vermieden wurde“, sagt Hiroshi Takeuchi, ein 84-jähriger Wirtschaftsprofessor an der Shizuoka-Universität in Zentraljapan. „Sobald sich die Dinge beruhigt hatten, konnte eine neue Welle wirtschaftlichen Wachstums beginnen.“ Dieser Strategie dürfte China nacheifern wollen. Nachdem die Aktien in Schanghai in diesem Jahr bis zum 12. Juni um etwa 150 Prozent hochgeschossen waren, kam es zu einem Einbruch, der etwa 5 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung vernichtet hat. Die Marktverwerfungen zwangen die Regierung zum Gegensteuern: sie untersagte unter anderem größeren Aktionären der Verkauf von Beteiligungen, setzte Börsengänge aus und forderte Brokerhäuser dazu auf, den Markt mit Rückhalt der Zentralbank zu stützen. Japan hatte damals mehrere solcher Schritte unternommen. Zuletzt hieß es am Dienstag, dass Chinas Börsen künftig bei zu starken Schwankungen den Handel aussetzen werden (siehe hier: http://bit.ly/1QlyJB6). Steigt oder sinkt der Index CSI 300, der 300 große Unternehmen umfasst, um fünf Prozent, wird der Aktienhandel für 30 Minuten unterbrochen. Chinas Entscheidungsträger haben in den letzten Tagen auch gesagt, die Turbulenzen am Aktienmarkt seien ihrer Einschätzung nach vorüber und die staatlichen Interventionen hätten funktioniert. Bis jetzt pulverte die chinesische Regierung rund 211 Milliarden Euro in Stützungskäufe am Aktienmarkt siehe hier: http://bit.ly/1KBzFm0). Wie auch Japan vor fünf Jahrzehnten, befindet sich China noch immer in einer mittleren Phase der Konjunkturentwicklung. Das bedeutet, dass die Wirtschaft weiterhin über einen beträchtlichen Spielraum für Wachstum verfügt. „Die Parallelen zu den 1960er Jahren sind aussagekräftiger“, sagt auch David Mann, Chefökonom für Asien bei Standard Chartered Plc in Singapur. „Davon ausgehend, dass China heute nur über ein Fünftel des Kapitalstocks je Beschäftigten von derzeit den USA oder Japan verfügt, zeigt uns, dass noch eine Menge mehr effiziente und produktive Investitionen in China unternommen werden können.“ Damit enden jedoch die Vergleiche. Im Gegensatz zu Japan in den 1960er Jahren steht China auch vor dem Problem einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung. Außerdem ist Chinas Wirtschaft offener als Japans früher, was die Volksrepublik gegenüber Kapitalabflüssen anfälliger macht, die nun die Wechselkurspolitik komplizierter machen. Dennoch: wie Japan in den 1960ern erfährt auch China eine rasche Modernisierung der industriellen Infrastruktur, erklärt Frederic Neumann, Co-Chef für Asien-Analyse bei HSBC Holdings in Hongkong. Zudem wachse die globale Bedeutung der chinesischen Kapitalmärkte.