, boerse-express

Rubel und Lira spucken Immofinanz und Do&Co in die Suppe - Autobranche kracht wie ein Kaiser-Semmerl … und dann gibt's noch die halbierte Cross

Nachdem die Wiener Börse zu Beginn nahtlos an ihr deutliches Vortagesminus angeknüpft hatte, brachten überraschend positive Konjunkturdaten aus der Eurozone im Verlauf eine geringe Linderung der Verluste. Hauptsächlicher Quell der Anlegernervosität war zur Eröffnung aber Chinas stotternde Konjunktur. Nachdem bekannt geworden war, dass die Stimmung in der chinesischen Industrie im August auf ihren Tiefststand seit März 2009 gesunken war, knickte der Shanghai Composite Index abermals empfindlich um 4,3 Prozent ein. Der Einkaufsmanagerindex für die chinesische Industrie laut Markit fiel überraschend um 0,7 auf 47,1 Punkte. Damit blieb das Barometer den sechsten Monat in Folge unter der Schwelle von 50 Zählern, ab der ein Wachstum signalisiert wird. Auch die Ölpreise fielen, weil China der weltgrößte Energieverbraucher ist. Die Kauflaune der Deutschen trübte sich angesichts der steigenden Konjunkturrisiken in China ebenfalls ein. Die Volksrepublik ist inzwischen viertgrößter Abnehmer deutscher Waren. Das Barometer für das Konsumklima im September fiel laut GfK um 0,2 auf 9,9 Punkte. Das ist der schlechteste Wert seit einem halben Jahr.

In der deutschen Wirtschaft ist die China-Schwäche bislang allerdings noch nicht angekommen. So überraschte der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die deutsche Industrie im August, anstatt der prognostizierten 51,6 Prozent betrug er 53,2 Punkte und lag damit klar über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Der Industrie-PMI für die gesamte Eurozone fiel mit 52,4 Einheiten ebenso etwas besser als die erwarteten 52,2 Punkte aus. Dies gab den europäischen Aktienmärkten deutlichen Auftrieb.

Das noch nicht angekommen, gilt natürlich nicht querbeet: Denn für die deutschen Autobauer wandelt sich der weltgrößte Automarkt vom Segen zum Fluch. Im Juli schrumpfte der Absatz in China nach jahrelangem Boom laut Branchenverband CAAM um 7,1 Prozent auf 1,5 Millionen Fahrzeuge - und die Preise sind im Sinkflug.

Die Deutsche Bank hat auf die jüngsten Entwicklungen in China reagiert und das Kursziel für den Dax im laufenden Jahr von 12.000 auf 11.300 Punkte gesenkt. Der am Markt eingepreiste negative Einfluss der chinesischen Konjunkturabkühlung auf die Unternehmensgewinne der deutschen Konzerne erscheint den Analysten als mittlerweile übertrieben.

--new_page--

Ein Blick auf das sonstige für Wiener Werte wichtige Umfeld: Öl (Brent) liegt den dritten Tag im Minus (Sorge über den Abnahmer China) und nähert sich der 46-US-Dollar-Marke; fällt Öl, hat's der Rubel zumeist auch nicht leicht, der sich bereits den 77 je Euro nähert. Entsprechend dieser Entwicklungen zählt die Immofinanz zu den größeren Verlierern des Tages - OMV verliert ebenfalls, SBO erreichte zwischendurch ein neues 52-Wochentief, um sich von diesem dann nach oben zu katapultieren - aktuell liegt die Aktie knapp vier Prozent im Plus. CAT oil in Frankfurt ist den dritten Tag im Minus - diesmal aber mit weniger als fünf Prozent. Auch die türkische Lira setzt ihre Talfahrt fort (den 12.! Tag en suite) und liegt nun bei knapp 3,3 je Euro. Womit auch Do&Co unter den größten Verlierern aufscheint. Ökonomen rechnen für dieses und für das kommende Jahr in der Türkei mit einem Wachstum von rund drei Prozent – die Zeiten von bis zu knapp neun Prozent Zuwachs scheinen beendet. Die schwächere Konjunktur schlägt auf den Arbeitsmarkt durch: Die Arbeitslosenquote liegt derzeit etwas über neun Prozent. Grund für die Talfahrt der Lira ist auch die politisch ungewisse Lage: Das Land steht vor Neuwahlen, nachdem die Verhandlungen zur Regierungsbildung gescheitert sind. Die AK-Partei von Präsident Recep Tyyip Erdogan hatte die Parlamentswahl verloren und auch zwei Monate danach keinen Koalitionspartner gefunden. Dazu kommt, dass die Regierung eine Offensive sowohl gegen die kurdische PKK als auch gegen den Islamischen Staat gestartet hat. Seitdem kommt es fast täglich zu Anschlägen der PKK auf türkische Sicherheitskräfte. Damit verliert die Türkei für Inverstoren deutlich an Attraktivität und sie ziehen Kapital ab. Die Konsequenz: Die türkische Lira verliert an Wert.

Mehr als die Immofinanz verliert im ATX aktuell aber die Österreichische Post (weitere Nachwehen des Einstiegs der Deutschen Post in den österreichischen Paketmarkt) - und die Erste Group.

Unterdessen macht die Berichtssaison an der Wiener Börse eine kleine Verschnaufpause, bevor sie am Dienstag kommender Woche wieder Fahrt aufnehmen wird. Dann stehen unter anderem die Zahlen zum zweiten Quartal von Lenzing an. Die Analysten zeigen sich im APA-Konsensus dafür recht optimistisch, sie erwarten im Schnitt einen Quartalsgewinn von 21,47 Mio. Euro nach 7,5 Mio. Euro im zweiten Quartal des Vorjahres. Heute reihten sich Lenzing dennoch ins Feld der Verlierer mit minus 1,10 Prozent.

Im ATXPrime setzte Cross Industries die zuletzt gezeigte deutlich erhöhte Volatilität fort - diesmal verstärkt nach unten gerichtet. Aktuell liegt die Pierer-Aktie mehr als 12 Prozent auf 3,05 Euro im Minus. Und hat sich somit seit 10. August beinahe halbiert (6,0 Euro das Hoch).