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Christian Zimmermann: „Wer hätte vor zehn Jahren ­gedacht, dass Automobilhersteller beim Konsumenten eher mit ­niedrigen ­­CO2-Emissionen als mit PS-Zahlen punkten ­würden?“

Börse Express: Doppelsieg für ‚grüne’ Fonds bei der Wahl zum Fonds des Monats. Nach dem ‘WWF Clock Climate Change’ der Erste Sparinvest holen nun Sie sich mit dem ‘Global Ecology’ den Titel – so etwas gab es noch nie. Muss man da bereits Angst vor einem zuviel an Euphorie haben? Ist Öko jene Branche, bei der so etwas wie eine Blasenbildung droht?

CHRISTIAN ZIMMERMANN: Nein, das glaube ich nicht. Im Zuge der Finanzkrise war das Interesse zwar schnell verschwunden, aber inzwischen ist das Thema Nachhaltigkeit und Ökologie auf die Agenda gerückt. Und meines Erachtens auch zu Recht, denn wie sollen die zukünftigen Probleme wie Klimawandel, Energiesicherheit oder nachhaltige Mobilität anders gelöst werden? Inzwischen wird das Thema ja auch längst immer mehr zum gesellschaftlichen Mainstream.

Börse Express: Wir hören zwar nicht mehr viel von der Staatsschuldenproblematik, gelöst ist sie aber auch nicht. Da also die Verschuldungsquoten der Staaten quasi querbeet eher steigen denn sinken, ist da mittelfristig politischer Gegenwind für die Branche zu fürchten, sprich immer geringere staatliche Förderungen?

CHRISTIAN ZIMMERMANN: Aufgrund des rapiden Preisverfalls in den letzten Jahren bei Solarmodulen ist Solarenergie in vielen Ländern inzwischen wettbewerbsfähig gegenüber fossilen Energieträgern geworden. Das bedeutet, dass die Abhängigkeit von Subventionen deutlich geringer geworden ist. Außerdem entstehen auch stetig zusätzliche Märkte wie der Nahe Osten, Chile, Türkei, etc. So wird dieses Jahr das größte Wachstum für die Solarbranche in China und Japan erwartet.

Börse Express: Was macht den Global Ecology zu einem „grünen“ Fonds? Und woran messen Sie Unternehmen?

CHRISTIAN ZIMMERMANN: Der Fokus des Fonds liegt auf Unternehmen, die umweltfreundliche Produkte und Technologien entwickeln, sowie auf Unternehmen, die Beiträge zu einer sauberen und gesunden Umwelt leisten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch der Begriff des „nachhaltigen Investments“. Damit ist das Einbeziehen von sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Kriterien in die Veranlagungsentscheidungen gemeint. Also zum Beispiel: Ausschluss von Kinderarbeit, Beachtung umweltfreundlicher Produktionsprozesse und unternehmerische Verantwortlichkeit.
Langfristig gehen wir davon aus, dass ökologisches bzw. nachhaltiges Investieren dem Anleger echten Mehrwert bringen wird.
Der Fonds investiert – im Gegensatz zu Fonds, die sich nur auf ein spezielles Anlagethema konzentrieren, etwa Wasser oder Energie – in Unternehmen aus allen ökologischen und nachhaltigen Bereichen. So wird das Fondsvermögen mit breiter Streuung auf viele Branchen und Themen verteilt und kann in Unternehmen jeder Größe investieren.
Wie sieht also Ihr Anlageuniversum aus – und wie der dann folgende Selektionsprozess?
Die Auswahl der Unternehmen erfolgt in vier Schritten: Erstens, Screening nach ökologischen und nachhaltigen Kriterien. Die unabhängigen Research-Agenturen oekom research und MSCI ESG Research analysieren das globale Investmentuniversum anhand unserer Ausschlusskriterien bzw. themenspezifisch. Dieses Screening reduziert die Anzahl möglicher Kaufkandidaten auf rund 2000 Unternehmen.
Zweitens Quantitatives Screening: Hauseigene quantitative Modelle filtern aus diesen 2000 Unternehmen die attraktivsten heraus. Dieses wöchentliche „Multi-Faktor-Screening“ liefert etwa 50 bis 100 potenzielle Kaufkandidaten.
Drittens die Fundamentalanalyse: Die Titel auf der nach den oben genannten Kriterien erstellten potenziellen Kaufliste werden fundamental analysiert. Mögliche Kaufkandidaten werden anhand ihrer Unternehmensgewinne, ihrer Gewinnerwartungen, ihrer Auftragslage und ihres Nachrichtenflusses bewertet. Das ökologische und nachhaltige Profil der Unternehmen wird detailliert untersucht.
Und viertens der Portfolioaufbau: Aktien, die die obigen Kriterien erfüllen, kommen als Kandidaten für das Portfolio in Frage. Im Schnitt setzt sich das Portfolio des Fonds aus circa 60 bis 80 Aktien zusammen. Durchschnittliche Einzeltitelgewichtung liegt bei ein bis zwei Prozent des Fondsvolumen, die maximale Einzeltitelgewichtung aus Risikoüberlegungen bei drei Prozent.
Wenn der Investment Case einer Aktie sich wesentlich ändert bzw. wenn unser Stop-Loss-Modell ein Verkaufssignal generiert - basierend auf wöchentlichen Schlusskurspreisen - wird die betroffene Aktie entsprechend aus dem Portfolio verkauft.
Grundsätzlich bildet der Fonds die Themen Nachhaltigkeit und Ökologie in all ihren Facetten ab. Ziel ist es, dem Anleger ein vernünftiges Chance-Risiko-Profil anzubieten. Deshalb streuen wir das Portfolio breit über zehn verschiedene, speziell definierte Themen.
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Börse Express: Theoretisch könnte also etwa ein Verbund bei Ihnen im Portfolio auftauchen. Wie sieht es an sich mit Österreichern im Depot aus. Und wie etwa mit Immobilienaktien – dort gibt es ja bereits ‚grün’ zertifizierte Gebäude ...

CHRISTIAN ZIMMERMANN: Verbund hatten wir tatsächlich einmal vor einigen Jahren im Portfolio. Momentan halten wir aber keine österreichischen Aktien. Und ja, Immobilienaktien könnten wir durchaus kaufen, passen in unser Thema „Green Buildings/Energy Efficiency“.

Börse Express: Diese zuvor angesprochenen zehn Themen - sind diese aus Risikoüberlegungen auch relativ gleichgewichtet?

CHRISTIAN ZIMMERMANN: Innerhalb unsere zehn Sektoren bzw. Themen sind wir bei der Gewichtung flexibel, hier wechseln die Über- und Untergewichtungen der einzelnen Themen immer wieder einmal. Derzeit sind Alternative Energy/Renewables sehr stark gewichtet.
Wenn Sie also von Wetten sprechen wollen, dann ist ein Investment in den ‘Global Ecology’ insgesamt eine Wette in die Zukunft. So werden z.B. Erneuerbare Energien langfristig sicherlich ein größeres Wachstum aufweisen als traditionelle Ölunternehmen.

Börse Express: Im Vergleich zu etwa einer MSCI-Weltindexgewichtung ist Ihr Engagement in Frankreich sicher eine der größten Übergewichtungen. Jetzt ist mir Frankreich nicht unbedingt als Land der Öko-Verfechter ein Begriff – was gefällt Ihnen dort?

CHRISTIAN ZIMMERMANN: Frankreich ist derzeit bei den Anlegern eines der weniger „beliebten“ Länder. Das ist auch durchaus nachvollziehbar. Aber wenn die Probleme einmal wirklich angegangen werden, eröffnet sich umso größeres Kurspotenzial. Und zu den Einzeltiteln - mit Veolia und Suez - beide Wasser - haben wir schon fast fünf Prozent Gewichtung, Schneider Electric - Energieeffizienz - ist ein weiteres Beispiel.

Börse Express: Wie gehen Sie mit FX-Risken um – werden diese abgehedgt?

CHRISTIAN ZIMMERMANN: FX-Risiken werden aktiv gemanagt. Aktuell haben wir die Untergewichtung gegenüber dem MSCI World in US-Dollar, kanadischen und australischem Dollar mit currency forwards gehedgt.

Börse Express: Im Factsheet steht, dass Sie auch in aktiengebundene Instrumente investieren können. Sind damit Optionsscheine bzw. Wandelanleihen gemeint und welchen Stellenwert nehmen diese im Portfolio derzeit ein?

CHRISTIAN ZIMMERMANN: Das Portfolio hatte in der Vergangenheit nur Aktien. Risikomanagement erfolgt dann über Cashsteuerung, Indexfutures bzw. currency forwards. Optionsscheine und Wandelanleihen hatten wir bisher keine.

Das komplette Interview finden Sie unter http://goo.gl/VeVVIF