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Gittler: Das Bankensystem der Eurozone befindet sich wieder einmal im Rampenlicht

TageskommentarWieder einmal steht der Zustand des europäischen Bankensystems im Rampenlicht, und was es aufdeckt, ist nicht besonders erfreulich: Die Aktien von Portugals zweitgrößter Bank, der „Banco Espirito Santo“ SA, wurden am Donnerstag vom Handel ausgesetzt, da es Bedenken bezgl. der finanziellen Integrität des Instituts gab, nachdem einer der Hauptgesellschafter der Bank, der Konzern „Espirito Santo International“ (ESI), einige seiner Warenwechsel nicht bezahlt hatte. ESI ist mit 49% an der „Espirito Santo Financial Group“ (ESFG) beteiligt, die wiederum 25% der Anteile der vorgenannten Bank besitzt. Die Zentralbank Portugals erklärte, die „Banco Espirito“ sei „in adäquater Weise isoliert“ von den Problemen der Muttergesellschaft, aber offensichtlich glaubt der Markt dieser Versicherung nicht. Es bestehen ganz konkrete Bedenken, dass einige der Besitzer von Warenwechseln des Konzerns ESI versuchen könnten, diese als Forderungen gegen die Bank geltend zu machen.

· Die Nachricht hat wieder einmal die Probleme der Banken Europas ins Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit gebracht, insbesondere der Banken der europäischen Peripherieländer (Irland, Portugal, Spanien, Italien und Griechenland), die sich noch immer nicht ganz von der Finanzkrise erholt haben. Darüber hinaus hat die EU noch keine endgültigen Regeln darüber verabschiedet, wie man mit Pleitebanken umgehen solle. Letztendlich könnte der Markt auch seine Zweifel darüber zum Ausdruck bringen, ob die von der EZB geplanten gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs) in der Lage sein werden, die europäischen Banken wieder zur Kreditvergabe zu veranlassen, um so die erlahmende Wirtschaft der Eurozone wieder zu beflügeln. Die Nachrichten vom Donnerstag zeigten ebenfalls einen deutlichen Rückgang bei der Industrieproduktion in Frankreich und Italien im Mai, was sich nahtlos in das Gesamtbild mit den Produktionsrückgängen in Deutschland und Spanien im gleichen Monat einfügt. Als Resultat dieser ungeklärten Fragen musste eine spanische Bank bereits einen geplanten Anleihenverkauf abblasen, und der Handel von mehreren italienischen Banken wurde eingestellt.

· Die erneut angestiegenen Risiken im europäischen Bankensektor sind negativ für den Euro und positiv für den Dollar, den Yen und das Gold.

· Die nachfolgenden Grafiken zeigen die enge Korrelation zwischen der relativen Performance von europäischen und US-amerikanischen Aktien sowie der Rate von EUR/USD. Die Grafik auf der linken Seite legt nahe, dass die Korrelation seit dem Jahr 2013 zusammengebrochen sei, aber die Grafik auf der rechten Seite zeigt, dass dies hauptsächlich eine Frage des Maßstabs ist – in der Tat blieb die Korrelation ziemlich eng, bis zu diesem Jahr. Generell lässt sich feststellen, dass die Rate EUR/USD dazu tendiert, anzusteigen, sobald die europäischen Bankenaktien (MSCI Europäischer Banken-Index) besser abschneiden als die US-amerikanischen Bankenaktien (MSCI US-Banken-Index) – und umgekehrt. Da der Zustand der europäischen Bankenbranche nun wieder einmal im Fokus steht, könnte dies die Rate von EUR/USD weiter nach unten drücken.