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Telekom Austria: Die Schwächung von Carlos Slim muss nicht negativ sein

Luftsprünge sehen anders aus. Die Telekom Austria performt heute mit dem Markt, mehr nicht. Kein Anzeichen, dass der Titel beginnen würde, seine Underperformance abzubauen. Denn der Titel hinkt nicht nur seinen Kollegen im ATX auf Sicht YTD klar hinterher, selbst innerhalb der Branche sind die Österreicher ein klarer Underperformer. Dabei hätte es vor gar nicht so langer Zeit wohl anders ausgesehen. Damals hätte die Meldung für Aufsehen gesorgt, dass Telefonica mit ihrer deutschen Tochter O2 von der KPN deren deutsche Tochter E-Plus übernimmt. Damit schliessen sich die Nummer drei und vier zur neuen Nummer eins auf dem deutschen Markt zusammen (vorbehaltlich etwaiger Auflagen der Kartellbehörden). Telefonica Deutschland zahlt dafür 5 Mrd. sowie 17,6 Prozent an eigenen Aktien.

Insgesamt hat der Deal ein Volumen von 8,1 Mrd. Euro. Das ist das 9-fache des in diesem Jahr bei E-Plus erwarteten EBITDAs. Zum Vergleich: Auf Basis des Unternehmenswerts liegt dieser Faktor bei der Telekom Austria bei knapp 4,5 - knapp 4,8 sind es bei der Deutschen Telekom. --new_page-- Von einer beinahe Kursverdoppelung der TA-Aktie gehen Analysten jedenfalls nicht aus. Im Schnitt liegt der Bloomberg-Konsens bei 5,76 Euro, was einem Potenzial von etwas mehr als 10% entspricht. Gross ist dabei die Spanne der Einzelprognosen: Zuletzt gab es etwa 4,0 Euro als Kursziel von Macquarie - es sind aber auch 8,6 Euro der Societe Generale nicht lange her (die sich trotzdem nur zu einem ‘Halten’ aufraffen konnte). Auffallend ist bei einem Blick auf das Analystensentiment, dass zwar die echten Kritiker mit einer Verkaufsempfehlung auf den Lippen weniger werden, bis ins Lager der Bullen wird’s aber auch nicht geschafft - so kommen wir mittlerweile bei zwei Drittel der Empfehlungen auf ein Halten.

Interessant ist der KPN-Telefonica-Deal für die Telekom Austria trotzdem. Denn was heisst das für die Europa-Pläne von Grossaktionär Carlos Slim? Dieser ist ja auch an KPN (sein erstes grösseres Europa-Engagement) beteiligt. Und, wie es heisst, wurde der Deutschland-Verkauf gegen seinen Willen durchgesetzt. Aus seiner Sicht sogar verständlich - Wachstumsfantasie hat KPN in den Niederlande kaum mehr welche, Belgien ist ein genauso umkämpfter Markt. Beginnt Slim nun seine kompletten Europa-Aktivitäten zu überdenken? Noch dazu, da er in Mexiko selbst mit immer schärferen Gegenwind von Seiten der Aufsichtsbehörden zu kämpfen hat (und Telefonica als Nr. 2 am Markt für Preisdruck sorgt). --new_page-- Ähnliche Probleme hat Telefonica in Südamerika aber auch; Mit ein Grund, warum sich die Spanier wieder mehr um die Konsolidierung in Europa bemühen. Womit auch nicht auszuschliessen ist, dass die bisher in Tschechien beendete Ostexpansion wieder neu aufgerollt wird. Sag niemals nie, heisst es bei James Bond - ‘ne decir nunca’ vielleicht in nicht so ferner Zukunft für Hannes Ametsreiter. Für die TA-Aktie brächte das operativ sicher mehr Fantasie, als der mexikanische Milliardär aktuell zu bieten hat. Nach unten ist wichtig, dass die Widerstandszone zwischen 4,5 und 5,0 Euro hält. Dafür müssten aber auch die zwei kurzfristigen Abwärtstrends (beige und violett, Chart 3) überwunden werden. Rund um diesen Cluster ein Stopp-Loss-Limit tut also Not. Und ein Kauf ist die Aktie eigentlich erst ab 6,0 Euro - höchstens Sie spekulieren darauf, dass die (grünen) Unterstützungen halten. Und vielleicht einmal Telefonica zum Trigger für die TA wird ...

(gill)

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