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Osteuropa ist besser auf die Krise vorbereitet

Die Länder Mittel- und Osteuropas (CEE) seien auf eine Krise besser vorbereitet als noch auf jene im Jahr 2009, die von der Pleite der US-Bank Lehman Brothers ausgelöst worden war, so Erste-Group-Analysten. Die Krise auf den Finanzmärkten sei nicht vorbei, die Kluft zwischen den höher und niedriger entwickelten Ländern werde immer größer, erklärte Erste-Chefanalyst Fritz Mostböck am Montag in Wien. "Auf den Finanzmärkten herrscht Panik und Angst". Erste-Analyst Juraj Kotian betonte, dass sich die CEE-Länder nach der Lehman-Pleite wieder "stark und schnell" erholt haben, die größte Gefahr für die Region sei die Eurozone.

Die Region wird laut der Erste-Wachstumsprognose 2012 um 2,6 Prozent wachsen und damit schneller als die Eurozone, für die derzeit mit einem Plus von 0,9 Prozent gerechnet wird. Die optimistische konjunkturelle Einschätzung für die Region begründet Kotian im Wesentlichen mit der niedrigen Staatsverschuldungsquote, den bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Budgetsanierung sowie dem deutlichen Abbau der Leistungsbilanzdefizite. Außerdem sei die konjunkturabhängige Komponente des Bruttoinlandsproduktes (BIP) relativ klein, womit auch ein möglicher Abschwung begrenzt wäre. Die CEE-Volkswirtschaften befinden sich in einem anderem Konjunkturzyklus als vor drei Jahren, sagte Kotian.

So liege die durchschnittliche Staatsverschuldung bei rund 50 Prozent der Wirtschaftsleitung und damit immer noch um 10 Prozentpunkte unter den Maastricht-Kriterien. Zuletzt hatte sich die Dynamik aber ebenso wie in der Eurozone beschleunigt. Die Ausnahme in der Region sei Ungarn mit einer Verschuldung von 73 Prozent. Zum Vergleich: In der Eurozone wird für heuer ein Verschuldungsgrad von rund 85 Prozent erreicht, schätzt die Erste Group.

Keines der CEE-Länder sei in einer ähnlichen Lage wie die hochverschuldeten Staaten der Eurozone in Südeuropa, heißt es seitens der Erste Group. Außerdem sei es den osteuropäischen Ländern gelungen, ihre großen Leistungsbilanzdefizite abzubauen, strich Kotian hervor, sodass sie von einer Auslandsfinanzierung nicht mehr in demselben hohen Ausmaß wie vor der Krise abhängen. So werde etwa Rumänien heuer sein Defizit von fast 14 Prozent des BIP auf unter 5 Prozent senken, Kroatien von 7 auf 1,4 Prozent.

Ungarn dürfte sogar den Turnaround beim Leistungsbilanzdefizit schaffen und einen Überschuss von 2,8 Prozent erwirtschaften; 2007 hatte das ungarische Leistungsbilanzdefizit noch 7 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Zu Ungarn meinte Kotian weiter, dass die vor allem auf Steuererhöhungen basierenden Budgetmaßnahmen durch dauerhafte Lösungen ersetzt werden sollten. Sonst könnten sie der Wirtschaft noch mehr schaden.

Er wies darauf hin, dass die CEE-Staaten auch die strukturellen Budgetdefizite mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) verringern - in Rumänien von 9 Prozent (2007) auf für heuer von der EU-Kommission erwartete 3,3 Prozent. Dazu komme, dass die Notenbanken mehr Fremdwährungsreserven angehäuft haben, um auf die Wechselkursschwankungen zu reagieren. Die Ungarn haben ihren Fremdwährungsbestand auf knapp über 54 Mrd. Dollar (39,1 Euro) fast verdoppelt. So hat etwa die türkische Lira seit dem Sommer um rund 20 Prozent nachgegeben und die Notenbank musste auf den Finanzmärkten intervenieren, schilderte Kotian.

Auf die Frage, wo man in Osteuropa derzeit investieren solle, meine Kotian: "Wenn Sie konservativ veranlagen wollen, dann investieren sie in tschechische Staatsanleihen". Als Assets nannte Kotian unter anderem ein nicht überbordendes Bankensystem. Außerdem wurde Tschechiens Bonität im Zuge seiner Haushaltssanierung neben jener Rumäniens hinaufgestuft. (APA)