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Banken - Auch beim Kapital ist das Minimum nie genug

Ein Minimum ist - richtig, nichts anderes als ein Minimum. In Bezug auf die künftigen Kapitalvorschriften Basel III wird dies derzeit ersichtlich. Nach der Deutschen Bank, die in der Vorwoche mehr als 10 Mrd. Euro frisches Eigenkapital aufgenommen hat, stellt sich nun die britische Grossbank Standard Chartered um eine milliardenschwere Kapitalerhöhung an. Insgesamt sollen 3,36 Mrd. Pfund (umgerechnet 3,7 Mrd. Euro) erlöst werden.

Dies ist vor dem Hintergrund von Bestrebungen der britischen Regulierer zu sehen, den Zeitplan für die Umsetzung der Basel-III-Richtlinien zu beschleunigen. Die Bank will einen Teil der Mittel auch zur Expansion verwenden, die Strategie sei aber primär auf organisches Wachstum ausgelegt, sagt CEO Peter Sands in einem Conference Call am Mittwoch.

Die britische Bank wird damit ihre - bereits ohnehin vergleichsweise komfor­tablen - Kapitalquoten erhöhen. Das sogenannte "harte Kernkapital" (Core Tier 1 Quote) nach Basel III wird sich auf über 10% erhöhen - von derzeit rund 9%. Die im September vorgestellten Basel-III-Vor­schriften sehen eine Minimum-Quote von 7% vor (4,5% common equity capital, das sich nur mehr aus Grundkapital und einbehaltenen Gewinnen zusammensetzen soll, plus 2,5% Kapitalpuffer) - allerdings erst ab dem Jahr 2019.
Streng genommen sind somit noch Jahre Zeit. Die Banken beginnen sich aber bereits jetzt zu rüsten bzw. sich nach oben zu lizitieren. So ist etwa für die Schweiz Basel III nicht schweizerisch genug. Die Grossbanken Credit Suisse und UBS müssen bis Ende 2018 Aktienkapital von 10% der risikogewichteten Aktiva und Gesamt­kapital von 19% vorzeigen. Darin inkludiert sind auch sogenannte "too big to fail"-Zuschläge, die vom Verhältnis zwischen den Aktiva der jeweiligen Bank und dem BIP abhängen. Diese Aufschläge werden von den Regulatoren festgeschrieben und sind wohl in der Schweiz "am dringlichsten". Sowohl die Bilanzsumme von Credit Suisse als auch UBS ist jeweils rund doppelt so hoch wie das Schweizer BIP.

Derzeit sind zudem von den internationalen Regulierern Vorschläge zu den Kriterien der Systemrelevanz und den höheren Anforderungen für diese Grossbanken in Ausarbeitung. In Deutschland ist gerade die Debatte darüber entbrannt, ob auch die teilverstaatlichte Commerzbank zu den insgesamt 30 bis 35 systemrelevanten Finanz­häusern gezählt werden soll.


Wie auch immer die Entscheidung ausfallen wird, der Markt macht sich schlussendlich immer seine eigenen Spielregeln. So bestehen die langen Übergangsfristen für Basel III nur auf dem Papier. Wer die Kapital- und Finanzmärkte kenne, wisse, dass die Marktteilnehmer schauten, wer jetzt schon habe, was in sechs Jahren vorgeschrieben sei, sagte vor kurzem auch RZB-Chef Walter Rothensteiner. "Das ist dann der attraktive Geschäftspartner. Wir werden relativ schnell unter Druck kommen, uns diesen Werten anzunähern, die in drei, vier oder acht Jahren vorgeschrieben sind."

Mit Blick auf Österreich bekräftigten daher Erste Group und Raiffeisen Bank International in den vergangenen Tagen, die erst für 2019 geforderte Mindestquote von 7% für das Kernkapital schon jetzt zu erfül­len. Raiffeisen rechnete dabei auch jene 1,75 Mrd. Euro PS-Kapital heraus, die der Staat zugeschossen hat. Erste-CEO Treichl sagte beim Capital Markets Day der Bank, diese Ausstattung ermögliche es der Erste, die Rückzahlung des vom Staat gezeichne­ten PS-Kapitals anzudenken, ohne eine Kapitalerhöhung vornehmen zu müssen.
Wird sich aber nun das "neue" - vom Markt vorgegebene Minimum - weiter nach oben verschieben, etwa in Richtung 10%? Sind die Schritte von Deutsche Bank und Standard Chartered nur der Anfang?

"Die 10% könnten wohl für einige Institute das neue Minimum werden, wir zweifeln aber daran, dass alle von uns gecoverten Banken auf diesem Niveau arbeiten wollen", heisst es in einer kurzen Mitteilung der Bankanalysten von Goldman Sachs. Sie setzen vor allem für lokale und Retailbanken die "Ziel-Quote" unterhalb der 10% an (für Erste und Raiffeisen etwa bei 9%). Sie verweisen zudem auf das hohe Potenzial für den organischen Kapitalaufbau der Branche in den kommenden Jahren, die durch eine Rückkehr auf normalisierte Gewinn-Niveaus und ein geringeres Volumina-Wachstum begünstigt werde. (bs)


Aus dem Börse Express vom 13. Oktober 2010

Relevante Links: Erste Group Bank AG